Un Fil Rouge
bruno schulz
Bruno Schulz - eine Annäherung

„Der Demiurg“, sprach mein Vater, „besaß kein Schöpfungsmonopol - jeder Geist hat das Privileg der Schöpfung. Der Materie ist grenzenlose Fruchtbarkeit gegeben, unerschöpfliche Vitalität und zugleich eine verführerische Kraft der Versuchung, die uns zum Gestalten verlockt.“
Bruno Schulz

Zum 75. Mal jährte sich am 19. November 2017 der Tod des Dichters Bruno Schulz, einer der faszinierendsten europäischen Künstler des XX. Jahrhunderts. Bruno Schulz wurde auf offener Straße in seinem Heimatort Drohobycz (heute Ukraine) von einem deutschen Gestapomann erschossen. Obwohl nur zwei Bände mit Erzählungen und annähernd 200 Zeichnungen von ihm existieren, hat Bruno Schulz eine einzigartige, unverwechselbare, zauberhafte Welt geschaffen.
Geboren 1892 als Sohn eines jüdischen Tuchhändlers im galizischen Drohobycz, studierte Bruno Schulz Architektur und verdiente seinen Lebensunterhalt als Kunstlehrer an einem Gymnasium in seiner Heimatstadt. Mit den „Zimtläden“ wurde er auf einen Schlag berühmt, leider nur in Polen, denn trotz seiner intensiven Bemühungen und der Unterstützung von Joseph Roth und Deborah Vogel ist es ihm nicht gelungen, seine Erzählungen in eine andere europäische Sprache übersetzen zu lassen. Erst 1959 wurden einige seiner Werke ins Französische und Serbokroatische sowie 1961 auch ins Deutsche übersetzt. Inzwischen ist das Werk von Bruno Schulz in 26 Sprachen erschienen.

Doreen Daume, Übersetzerin von Bruno Schulz’ Erzählungen, schreibt:
„Schulz, als Dichter, empfand sehr stark die Parallelen zwischen Sprache und Musik und spielte virtuos mit musikalischen Elementen. Man kann Musik als Sprache verstehen und Sprache als Musik hören, und man kann auch die instrumentale Ausführung eines notierten Musikstücks und das Übersetzen eines poetischen Textes in vielerlei Hinsicht miteinander vergleichen. Auch der Musik entlehnte Bilder und Metaphern klingen in der Sprache von Bruno Schulz häufig an - etwa wenn es um einschlägige Utensilien und Begriffe geht, wie z.B. die „Hornposaune“ oder die „Rhythmuskadenz“. Wie zum Hohn verbiegt er diese und lässt das Schweigen und die Stille lautstark gellen.
Das sind die schrägen Töne in der Schulzschen Sprachkomposition, deren rhythmische, melodische und klangfarbliche Eigenarten den Leser unmittelbar in den Bann ziehen.“


Da Bruno Schulz in zwei unterschiedlichen Kunstsprachen - Malerei und Literatur - eine eigene Welt geschaffen hat, sind wir überzeugt davon, mit dem Dialog zwischen zwei anderen Künsten - Tanz und Musik - dieser Welt, aus unterschiedlichen Perspektiven, näher zu kommen und diese somit auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Für die Realisierung unseres Projektes „Bruno Schulz- eine Annäherung“ haben wir zwei Kompositionsaufträge an den Komponisten Jose Serrano(*1982 ) sowie an den Choreographen Samuel Feldhandler (*1993) vergeben, die sich beide mit der Musikalität der Prosa und des malerischen Werkes von Bruno Schulz auf verschiedene Weise auseinandersetzen werden.
Der Tanz wird von Lena Schattenberg interpretiert.
Renate Obermaier und Heinzl Spagl vom Theater im Marienbad werden dazu Texte aus „Die Zimtläden“ und „Sanatorium zur Sanduhr“ lesen.
Der facettenreiche Abend wird mit „Abîme des oiseaux“ aus dem „Quatuor pour la fin du Temps“ von Olivier Messiaen für Klarinette solo musikalisch abgerundet und ergänzt.

Un Fil Rouge,
Sylvie Altenburger und Walter Ifrim


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